Gemeinsame Versorgung braucht klare Wege
Wieder Prednisolon. Wieder eine AU. Wieder die Frage, ob dieser Patient nicht eigentlich woanders besser aufgehoben wäre – und wenn ja, wann genau und mit welchen Informationen. Situationen wie diese sind kein Ausdruck ärztlichen Versagens, sondern eines Systemproblems: Es fehlt nicht an Wissen. Es fehlt an klaren, abgestimmten Entscheidungskriterien für den Moment, in dem die hausärztliche Therapie an ihre Grenzen stößt.
Bei Patient:innen mit unkontrolliertem Asthma erfolgt eine notwendige leitliniengerechte Therapieanpassung oder spezialisierte Abklärung nicht immer rechtzeitig.1,2 Bei der chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung (COPD) werden Exazerbationen häufig nicht als solche erkannt oder medizinisch berichtet.3,4 Die Zahl der Blut-Eosinophilen ist ein leicht zugänglicher Biomarker, der häufig bereits im Differenzialblutbild vorliegt, aber bei der Therapieentscheidung nicht immer konsequent berücksichtigt wird.
Um hier mehr Orientierung zu geben, wurden unter Beratung von Pneumolog:innen und Hausärzt:innen aus Rheinland-Pfalz Behandlungspfade erarbeitet, die auf den Nationalen Versorgungsleitlinien5,6 und der fachärztlichen S2k-Leitlinie7 basieren. Das Ergebnis sind keine neuen Leitlinien, sondern Übersetzungen bestehender Evidenz in Strukturen, die im Praxisalltag funktionieren.
Praxisalltag funktionieren.
„Im Alltag sind es oft nicht die Leitlinien allein, sondern die Schnittstellen, die Versorgung komplex machen. Wenn diese Übergänge besser abgestimmt sind, profitieren am Ende alle Beteiligten.“
— Dr. Jonas Fröhlich, Hausarzt
Beide Pfade folgen dabei derselben Grundlogik:
Systematische Evaluation → Identifikation von Risikopatienten → gezielte Therapieanpassung oder Überweisung
„Ich fand den Austausch besonders wertvoll, weil unterschiedliche Perspektiven zusammengekommen sind. So entstehen keine theoretischen Modelle, sondern Lösungen, die sich an der Versorgungspraxis orientieren.“
— Dr. Astrid Weber, Hausärztin
Asthma: Vier Fragen bestimmen den Weg
Der Versorgungspfad für Asthma setzt an der systematischen Kontrolle der Erkrankung an. Vier Kriterien entscheiden über das weitere Vorgehen:
- Tagsüber Symptome häufiger als zweimal pro Woche?
- Nächtliches Erwachen durch Asthma?
- Bedarfsmedikation für Symptome häufiger als zweimal pro Woche?
- Aktivitätseinschränkung durch die Erkrankung?
„Diese Kriterien sind nicht neu – aber sie werden im Praxisalltag nicht immer strukturiert abgefragt. Und dort, wo Patienten trotz Eskalation unkontrolliert bleiben oder eine corticosteroidpflichtige Exazerbation durchleben, fehlt häufig der systematische nächste Schritt: die Bestimmung der Eosinophilen und die Überweisung zur Pneumologie.“
— Dr. Olaf Schmidt, Pneumologe, BDP
COPD: Ein Kriterium reicht – die unterschätzte Exazerbation
Bei der COPD adressiert der Versorgungspfad ein noch grundlegenderes Defizit: Exazerbationen werden zu selten als solche erkannt.
Fünf Kriterien helfen bei der Identifikation:
- Deutliche Verschlechterung der Symptome
- Ärztliche Behandlung wegen akuter Verschlechterung
- Stationärer Krankenhausaufenthalt
- Bedarfs- oder inhalatives Medikament häufiger eingesetzt
- Zusätzliche Medikamente (z. B. Antibiotika/Kortison)
Die Experten dieser Runde empfehlen, bereits ab einem erfüllten Kriterium von einer Exazerbation auszugehen – gestützt auf die Validierungsstudie von Hering et al. (2022). Bei Exazerbation ist es wichtig diese nicht nur akut zu behandeln, sondern die Dauertherapie anzupassen und gegebenenfalls den Pneumologen miteinzubeziehen.
Auch hier gilt: Vor jeder Eskalation sind Therapieadhärenz, Inhalationstechnik, Komorbiditäten und weitere Auslöser (wie u.a. kardiales Ereignis, Lungenembolie) zu prüfen.
„Wenn Exazerbationen nicht systematisch erfasst werden, erscheint der Patient stabiler als er ist. Die Folge: Therapieanpassungen unterbleiben, der richtige Zeitpunkt für eine Überweisung wird verpasst, und der Patient akkumuliert Schaden, der vermeidbar gewesen wäre.“
— Dr. Florian Schmitz, Pneumologe, BDP
Eosinophile – ein relevanter Biomarker
„Die Eosinophilen sind für mich der entscheidende Wegweiser. Wenn ein Patient mit einem aktuellen Wert und der Exazerbationshistorie zu mir kommt, kann ich oft schon in der ersten Vorstellung eine gezielte Therapieentscheidung treffen – ob ICS-Indikation bei COPD oder Biologika-Evaluation bei Asthma. Ohne diesen Wert verlieren wir wertvolle Zeit.“
— Dr. Florian Schmitz, Pneumologe, BDP
Sowohl in der Asthma- also auch in der COPD-Therapie die Eosinophilen ein relevanter Biomarker und wenn möglich sollte folgendes beachtet werden: Vor dauerhafter oder wiederholter Gabe von oralen Glukokortikosteroiden (OCS) – Eosinophile bestimmen und Überweisung zur Pneumologie veranlassen. Diese Regel adressiert ein konkretes Versorgungsdefizit: Zu viele Patienten erhalten wiederholte OCS-Stöße, ohne dass dieser Schritt erfolgt.
Ihre Erfahrung zählt – 2 Minuten für bessere Versorgung
Die Versorgungspfade wurden auf Basis von Leitlinien und Expertenwissen entwickelt. Was jetzt fehlt, ist Ihre Perspektive aus dem Praxisalltag. Mit fünf kurzen Fragen helfen Sie dabei, die Pfade weiterzuentwickeln und gezielt dort zu unterstützen, wo der größte Bedarf besteht.
Diese Umfrage wird von AstraZeneca durchgeführt. Die Teilnahme ist anonym und dauert ca. 2 Minuten.

Medizinisch-wissenschaftlich beraten durch: Dr. Jonas Fröhlich, Dr. Olaf Schmidt, Dr. Florian S. Schmitz, Dr. Astrid Weber.
Dieser Newsletter ist finanziert durch 
Quellen:
- Trinkmann F, Brehler R, Deiters B, et al. Identifying factors associated with biologic therapy initiation in severe asthma: a real-world case-control study using SHI claims data [Abstract A1]. Pneumologie. 2026;80(Suppl 1):9–10. doi:10.1055/s-0046-1816100
- Waltert, M., Brehler, R., Deiters, B., Flume, M., Gensorowsky, D., Greiner, W., Herholz, H., Krohn, S., Schwitalla, J. C., Surmann, B., Witte, J., & Trinkmann, F. (2026). Severe asthma: Patient pathway to biologics and the role of guideline-directed medical therapy in outpatient care – A real-world analysis from regional KV data [Abstract]. Pneumologie, 80(S01), 182–183. https://doi.org/10.1055/s-0046-1816521
- Hurst JR et al. Susceptibility to exacerbation in chronic obstructive pulmonary disease. New England Journal of Medicine, 2010.
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. (2026). Global strategy for the prevention, diagnosis and management of chronic obstructive pulmonary disease: 2026 report. GOLD.
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie COPD – Teilpublikation der Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2021. Online verfügbar unter https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-003l_S3_COPD_2026-02.pdf.
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Version 5.0. 2024. Online verfügbar unter https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-002l_S3_Asthma_2024-08.pdf
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) 2026. Auflage Februar 2026 / Version 5.1. AWMF Register: Nr. 020–006. Online verfügbar unter https://register.awmf.org/assets/guidelines/020-006l_S2k_Fachaerztliche-Diagnostik-Therapie-COPD_2026-03_1.pdf.
