GKV-Kennzahlen Q3 2025: Analyse und Ihre Praxisstrategie für 2026

Ein Lagebericht und Handlungsleitfaden von MEDI Südwest

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die aktuellen GKV-Zahlen für die ersten drei Quartale 2025 liegen vor. Als Ihr Berufsverband werten wir diese Daten nicht nur statistisch aus, sondern übersetzen sie in das, was für Ihren Praxisalltag zählt: Was bleibt am Ende übrig? Und wie müssen Sie sich jetzt aufstellen, um trotz widriger politischer Rahmenbedingungen wirtschaftlich stabil zu bleiben?

Hier ist unsere Analyse der Situation und unsere konkrete Empfehlung für Ihre Praxissteuerung.

1. Die Faktenlage: Ein trügerisches Wachstum

Wenn Sie auf die nackten Zahlen schauen, sehen Sie auf den ersten Blick ein Plus. Die Ausgaben für ärztliche Behandlung sind um rund 7,6 Prozent gestiegen. Das klingt nach einer ordentlichen Honorarsteigerung. Doch wir müssen ehrlich sein: Dieser Zuwachs ist in vielen Fällen eine “Umsatz-Illusion”.

Warum? Weil auf der anderen Seite Ihre Kostenstruktur explodiert ist.

• Personalkosten: Die notwendigen und verdienten Gehaltssteigerungen für unsere MFA (Tarifabschlüsse) zehren einen Großteil dieses Zuwachses sofort auf.

• Inflation: Energie, Miete, Wartungsverträge und IT-Sicherheit sind drastisch teurer geworden.

Gleichzeitig sehen wir, wo das Geld der Versicherten wirklich hinfließt: Die Ausgaben für Krankenhäuser sind um fast 10 Prozent gestiegen. Auch die Arzneimittelausgaben wachsen mit über 6 Prozent deutlich. Das Geld ist also im System – es kommt nur nicht proportional dort an, wo die Hauptlast der ambulanten Versorgung getragen wird: in Ihren Praxen.

2. Die berufspolitische Einordnung: Kritik an den Rahmenbedingungen

Aus Sicht von MEDI Südwest ist diese Entwicklung ein Alarmsignal an die Politik, das wir nicht ignorieren können.

• Verteilungskampf statt Stärkung: Wir erleben eine politische Prioritätensetzung, die einseitig auf die Rettung von Klinikstrukturen zielt. Das massive Plus bei den Krankenhausausgaben bei gleichzeitig steigenden Zusatzbeiträgen (im Schnitt 17,5 Prozent für 2025) erhöht den Druck auf den Gesamttopf.

• Die “Ambulantisierung” ohne Finanzierung: Es wird politisch gewollt, Leistungen aus der Klinik in die Praxis zu verlagern. Doch die aktuellen Zahlen zeigen nicht, dass die finanziellen Mittel im gleichen Maße mitwandern. Wir laufen Gefahr, mehr Arbeit und komplexere Fälle zu bekommen, ohne dass die Vergütungssystematik (EBM, Budgetierung) angepasst wird.

• Margen-Druck: Während die Industrie und Kliniken Preiserhöhungen oft weitergeben können, stecken wir Niedergelassene in einem starren System fest. Dass die Politik hier tatenlos zusieht, wie die Inflation die wirtschaftliche Basis der ambulanten Versorgung aushöhlt, ist inakzeptabel.

3. Unsere Empfehlung: Was Sie jetzt aktiv tun können

Wir können die große Politik nicht über Nacht ändern, aber wir können Ihre Praxis wetterfest machen. Um die Schere zwischen Kosten und Umsatz zu schließen, empfehlen wir Ihnen für 2026 eine Strategie der aktiven Leistungssteuerung.

Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass “einfach mehr arbeiten” im Hamsterrad die Lösung ist. Setzen Sie stattdessen auf diese drei Hebel:

Hebel 1: Nutzen Sie die Wachstumsfelder (Impfungen & Prävention)

Die Daten zeigen eindeutig: Der Bereich Schutzimpfungen wächst zweistellig (+13 %), auch die Früherkennung legt zu (+5 %). Das ist der Markt, der aktuell honoriert wird.

• Konkret: Prüfen Sie bei jedem Patientenkontakt den Impfstatus. Etablieren Sie feste Abläufe für Vorsorge-Recalls. Diese Leistungen sind oft extrabudgetär und medizinisch sinnvoll. Holen Sie diesen Umsatz aktiv in Ihre Praxis.

Hebel 2: Wirtschaftlichkeit durch Delegation

Ihre ärztliche Arbeitszeit ist die teuerste Ressource der Praxis. Wenn Ihre Personalkosten steigen, muss das Personal effizienter zur Wertschöpfung beitragen.

• Konkret: Qualifizieren Sie Ihr Team. MFA sollten Aufgaben übernehmen, die Umsatz bringen (z.B. NäPa-Leistungen, Wundversorgung, technisches Impfmanagement). Administrative Aufgaben, die keinen Umsatz bringen, sollten soweit wie möglich digitalisiert werden (Online-Termine, digitale Anamnese), um das Team zu entlasten.

Hebel 3: Defensives Verordnungsmanagement

Die Arzneimittelkosten steigen. Das Risiko, dass Ihr Verordnungsvolumen schneller wächst als Ihre Richtgröße, ist real.

• Konkret: Warten Sie nicht auf das Quartalsende. Schauen Sie monatlich in Ihre Statistik. Nutzen Sie Generika und Rabattverträge konsequent. Bei Heilmitteln (die ebenfalls deutlich teurer geworden sind) ist eine saubere Indikationsdokumentation Ihr bester Schutz vor Regressen.

Fazit

Die politische Großwetterlage ist rau, und die Kritik von an der einseitigen Klinik-Bevorzugung bleibt. Wer seine Praxis jetzt konsequent auf Prävention, Delegation und betriebswirtschaftliche Steuerung ausrichtet, wird auch unter diesen Bedingungen bestehen.