Wirtschaftlicher Druck auf Arztpraxen wächst
Der Jahresbericht des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) für die Berichtsjahre 2020 bis 2023 bietet eine detaillierte Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung in deutschen Arztpraxen und Psychotherapiepraxen. Die Zahlen zeigen einen nachhaltigen Kostenanstieg, der die Einnahmen überproportional überholt. MEDI Südwest ordnet die Ergebnisse ein und gibt einen Ausblick auf die Jahre 2024 bis 2027.
Die wirtschaftliche Situation der niedergelassenen Ärzteschaft hat sich in den vergangenen Jahren merklich verändert. Während die Praxen in der Pandemie noch als Rückgrat der ambulanten Versorgung fungierten, zeigt die Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), dass die Kostensteigerungen das System unter Druck setzen.
Praxisaufwendungen steigen, Gewinne sinken
Zwischen 2020 und 2023 stiegen die Praxisaufwendungen um insgesamt 17,6 %. Das liegt leicht über der allgemeinen Inflationsrate von 16,7 % im selben Zeitraum. Für das Jahr 2023 ergeben sich daraus folgende Kennzahlen:
Die Personalkosten sind mit einem Anstieg von durchschnittlich 26,5 % seit 2020 der größte Kostenfaktor. Mieten und Energiekosten stiegen im selben Zeitraum um 12,2 %, was vor allem auf die Energiepreisentwicklung ab 2022 zurückzuführen ist.
Datenlage endet 2023 – Entwicklung setzt sich fort
Der Bericht erfasst den Zeitraum bis Ende 2023. Die wirtschaftliche Entwicklung in den Folgejahren zeigt eine Fortsetzung dieser Trends. Die anhaltende Inflation und die Lohnentwicklung im Gesundheitssektor haben die Kosten weiter nach oben getrieben.
Insbesondere der Fachkräftemangel bei den Medizinischen Fachangestellten (MFA) führt dazu, dass Praxisinhaber heute teils deutlich höhere Gehälter zahlen müssen, als die Honorarentwicklung vorsieht. Für viele Kollegen ist die wirtschaftliche Belastungsgrenze erreicht oder überschritten.
Der ZiPP-Bericht endet mit dem Jahr 2023. Die Kostenentwicklung bei Energie und Personal setzte sich in den Jahren 2024 und 2025 fort. Aktuelle Zahlen dürften die hier dargestellten Verluste weiter verstärken.
MEDI: Sparzwang wird für viele Praxen unausweichlich
In einem früheren Sondernewsletter hat MEDI Südwest vor den betriebswirtschaftlichen Folgen der aktuellen Gesundheitspolitik gewarnt. Die Prognose damals: Viele Praxen werden die kommenden Jahre nur durch deutliche interne Kostensenkungen bewältigen können.
Die jetzt veröffentlichten Zi-Zahlen bestätigen diese Einschätzung. Es geht nicht mehr um eine vorübergehende Einkommenseinbuße, sondern um eine nachhaltige Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die Zahlen belegen, dass wir es mit einer strukturellen, nicht mit einer temporären Belastung zu tun haben. Praxen müssen ihre Wirtschaftlichkeit aktiv sichern.MEDI Südwest e.V. · Einschätzung zum ZiPP-Jahresbericht 2020–2023
Honorarkürzungen ab 2027 zusätzliche Belastung
Das wahre Ausmaß der finanziellen Belastung wird sich 2027 zeigen. Die geplanten Honorarkürzungen von insgesamt 2,41 Milliarden Euro werden die Praxen zusätzlich unter Druck setzen.
Für eine durchschnittliche Praxis bedeutet dies einen Verlust von rund 24.000 Euro jährlich bei den GKV-Einnahmen. Bereits Anfang 2025 gaben nur noch 57 % der Niedergelassenen an, mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden zu sein.
Der ZIPP-Klimaindex liegt weiterhin im negativen Bereich. Die Erwartungshaltung für die Zukunft ist mit einem Saldo von −31,1 Punkten deutlich pessimistisch.
Fazit: Handlungsbedarf für eine wirtschaftliche Stabilisierung
Die Analyse der Einflussfaktoren auf die Berufszufriedenheit zeigt: Die Kollegen sehen das Problem nicht allein im Honorar, sondern in der Gesamtsituation. Der Druck aus steigenden Kosten, hohem bürokratischem Aufwand und unsicheren Planungsgrundlagen summiert sich.
Wer die ambulante Versorgung dauerhaft unterfinanziert, gefährdet die flächendeckende Versorgung und erschwert die Niederlassung für den ärztlichen Nachwuchs. MEDI Südwest fordert daher eine schnelle wirtschaftliche Stabilisierung der Praxen, bevor das Jahr 2027 weitere spürbare Einschnitte bringt.
MEDI Südwest – Teil eines bundesweiten Netzwerks
MEDI Südwest ist Mitglied von MEDI GENO Deutschland e.V., dem bundesweiten Dachverband mit rund 10.000 niedergelassenen Ärztinnen, Ärzten und Psychotherapeutinnen und -therapeuten in zehn Bundesländern. Die gesundheitspolitischen Positionen werden gemeinsam abgestimmt und einheitlich vertreten – gegenüber Politik, Kostenträgern und Öffentlichkeit.
MEDI Südwest informiert seine Mitglieder fortlaufend über wirtschaftliche Entwicklungen, gesundheitspolitische Entscheidungen und Handlungsoptionen für die Praxis.
